Atomkatastrophe in Fukushima

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11.3.2011

Atomkatastrophe in Fukushima

Greenpeace Gelnhausen erinnert an den SuperGAU

 

Ein Erdbeben führte am 11.3.2011 zum dreifachen SuperGAU in Japan.

Auch 9 Jahre später ist die Atomkatastrophe in Fukushima noch nicht vorbei.

Tausende Arbeiter*innen müssen in den havarierten Reaktoren die geschmolzenen

Brennstäbe kühlen, kontaminiertes Wasser auffangen und die Atomruinen sichern.

Über 100 000 Atomflüchtlinge konnten bis heute nicht in ihre Heimat zurückkehren.

100 000 andere haben sie für immer verlassen. Wieder andere wurden gezwungen zurückzukehren, sonst hätten sie die staatliche Unterstützung verloren.

Und jetzt kommt die unglaubliche Tatsache: Im März 2020 startet in Japan der Fackellauf für die im Sommer stattfindende Olympiade. Wo? Im Sportkomplex J-Village. Dieser Ort ist nur 20 Kilometer vom havarierten Atommeiler entfernt! Die Region um das AKW Daiichi ist immer noch hoch verstrahlt. Aber Japan will die Olympiade als Spiele des Wiederaufbaus inszenieren. Es soll endlich wieder alles normal wirken.

Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital reist jedes Jahr nach Fukushima um dort die Strahlung zu messen. Er hat den Sportkomplex J-Village gemessen und sagt:

„Greenpeace hat genau dort einen hohen, mehr als tausendfach erhöhten Wert von 70 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Dort lassen sich vereinzelt Bereiche mit

hochkonzentrierter Strahlung finden – sogenannte Hot Spots. Wer dort reintritt, kann die Radioaktivität verteilen und über die Schuhe sogar in die Wohnung tragen.

In der Gegend gibt es immer noch Geisterstädte, die nahezu unbewohnt sind. Es wird der Situation nicht gerecht, wenn so getan wird, als ob das Leben in der Nähe des Reaktors wiederhergestellt ist.“

 

Egal wie oft Plätze, Dörfer, Städte gereinigt werden, die Radioaktivität bleibt. Die Natur mit Bergen, Bäumen, Steinen und Sand lässt sich nicht von Radioaktivität säubern, von irgendwoher kommt sie zurück, z.B. wenn Regen die Teilchen anspült.

Trotzdem werden in Japan nach dem Unglück abgeschaltete AKW wieder hochgefahren. 300 Anwältinnen und Anwälte sind gegen das Wiederanfahren von Reaktoren aktiv, auch gegen das AKW Ikata. Das Gericht hat jetzt das Wiederanfahren des AKW untersagt. Die Sicherheitspläne für das in der Nähe eines Vulkans liegende Kraftwerk seien unzureichend.

Auch in Deutschland gibt es wieder Stimmen, die Atomkraft als die saubere Alternative gegen den Klimawandel bezeichnen.  Heinz Smital sagt dazu:

„Eine Laufzeitverlängerung in Deutschland ist völlig unrealistisch – dafür gibt es keine politischen Mehrheiten. Es gibt zwar Leute – auch in CDU-Kreisen- , die den Atomausstieg nur zähneknirschend mitgemacht haben und jetzt aufgrund der Klimakrise Morgenluft wittern. Doch selbst wenn wir diesen Gedanken verfolgen, wird er nicht zu einer Lösung der Klimakrise führen. Die Atomkraft kann das nicht leisten.

Schauen wir nach Frankreich: Eine große Industrienation, die seit vielen Jahren an einem einzigen Atomkraftwerk baut. Das Ganze wird immer teurer und nicht fertig. Die Atomkraft liefert nicht. Und alte Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen, ist ein zu großes Risiko – auch für die Stromversorgung, die Anlagen sind zu anfällig für Pannen.“

Heinz Smital beschreibt die heutige Situation am Unglücksmeiler so:

„Die ursprünglichen Brennstäbe sind geschmolzen, der immer noch sehr heiße geschmolzene Kernbrennstoff muss nach wie vor gekühlt werden – das wird auch noch einige Jahre so sein. Wird dieser zu heiß, kommt es wieder zur vermehrten Freisetzung von radioaktiven Partikeln. Da die Strahlung vor Ort immer noch so hoch ist, kann dort niemand arbeiten. Es gibt keine Leitungen, durch die das Wasser zum Kühlen gezielt geführt werden könnte. Das Wasser wird also auf gut Glück in den Reaktor gepumpt.

Das kontaminierte Wasser muss dann aufgefangen werden. Hinzu kommt das Grundwasser aus den Bergen, das ins hochkontaminierte Gelände sickert und ebenfalls abgepumpt wird. Pro Tag fallen so insgesamt etwa 400 Tonnen an, 200 durch Grundwasser und 200 durch Kühlung, das sind etwa 4000 Badewannen“.

Greenpeace Gelnhausen erinnert am ehemaligen Mittelpunkt Europas in Geln-

hausen-Meerholz an den SuperGAU in Fukushima. Auch in Europa kann jederzeit eine Atomkatastrophe passieren, viele Atommeiler in europäischen Ländern sind überaltert und teilweise marode.

Greenpeace fordert deshalb, alle Atomkraftwerke abzuschalten.

Weitere Infos unter www.greenpeace.de  www.ausgestrahlt.de

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